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Das Profiling-Gespräch: was es ist und wie es abläuft

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Ein Notizblock mit einer handschriftlichen Stärken-Schwächen-Liste

Das Profiling-Gespräch bei der Agentur für Arbeit ist die Potenzialanalyse nach § 37 SGB III{target=“_blank” rel=“noopener”}. Der Vermittler erhebt systematisch deine Stärken, Qualifikationen, Einschränkungen und den Vermittlungshorizont. Das Ergebnis prägt, welche Angebote du bekommst, ob der Bildungsgutschein in Frage kommt und wie intensiv du betreut wirst.

Die Bezeichnung Profiling klingt technisch, das Gespräch ist es meistens nicht. Es fühlt sich an wie ein ausführliches Beratungsgespräch. Trotzdem gilt: Die Ergebnisse sind dokumentiert und werden später genutzt.

Was das Gesetz sagt

Nach § 37 SGB III müssen Agentur und arbeitssuchende Person zusammen die berufliche Ausgangslage und die Vermittlungsfähigkeit klären. Das ist das Fundament für die Eingliederungsvereinbarung und alle weiteren Schritte.

Das Gespräch ist verpflichtend. Die Agentur prüft:

  • Schulische und berufliche Qualifikationen
  • Berufserfahrung und Kenntnisse
  • Sprachliche Fähigkeiten
  • Mobilität und regionale Flexibilität
  • Gesundheitliche Belastbarkeit
  • Soziale und familiäre Umstände, die Arbeit beeinflussen
  • Perspektiven am Arbeitsmarkt

Die Dokumentation landet in deiner Akte. Sie ist Grundlage für alle späteren Entscheidungen.

Wann findet das Profiling statt?

In der Regel im Erstgespräch. Manche Agenturen spalten es in zwei Termine: ein kürzeres Erstgespräch und ein ausführliches Profiling-Gespräch von 60 bis 90 Minuten.

Bei Bürgergeld-Empfängern im Jobcenter ist das Profiling Teil der Potenzialanalyse nach § 15 SGB II{target=“_blank” rel=“noopener”} und Grundlage für den Kooperationsplan (seit 01.07.2023). Der Ablauf ist ähnlich, die rechtlichen Bindungen unterscheiden sich.

Mehr zum Unterschied im Artikel über den Kooperationsplan im Jobcenter.

Wie sich das Profiling vom normalen Gespräch unterscheidet

Ein normales Vermittler-Gespräch dauert 30 bis 45 Minuten und orientiert sich an aktuellen Bewerbungen, Angeboten und nächsten Schritten. Ein Profiling-Gespräch geht tiefer:

  • Mehr Zeit (60 bis 90 Minuten)
  • Mehr Fragen zu Hintergrund und Lebenslauf
  • Einsatz standardisierter Fragebögen oder Leitfäden
  • Oft ein digitales Tool, in das der Vermittler parallel einträgt

Die Struktur ist ausführlicher. Die Fragen sind prüfender.

Was wird gefragt?

Profiling-Gespräche folgen einem gedanklichen Raster. Nicht alle Fragen kommen in jedem Gespräch, aber die Themen sind stabil.

Qualifikation

  • Welche formalen Abschlüsse hast du (Schule, Ausbildung, Studium)?
  • Welche Fort- und Weiterbildungen hast du absolviert?
  • Welche Sprachkenntnisse? Auf welchem Niveau?
  • Welche IT-Kenntnisse? Welche Programme, welche Tiefe?
  • Führerschein, Maschinenbedienschein, Gabelstapler und ähnliches?

Erfahrung

  • Welche Berufe hast du ausgeübt und wie lange?
  • Welche konkreten Tätigkeiten waren das?
  • Was fielen dir leicht, was schwer?
  • Warum endeten die Beschäftigungen?

Stärken und Schwächen

  • Was kannst du besonders gut?
  • Wo siehst du Entwicklungsbedarf?
  • Wo hast du in der Vergangenheit positive Rückmeldung bekommen?

Gesundheit und Belastbarkeit

  • Gibt es körperliche Einschränkungen?
  • Psychische Belastungsgrenzen (z.B. Schichtarbeit, Kundenkontakt, Hochstress)?
  • Aktuelle medizinische Behandlungen, die Arbeit beeinflussen?

Mobilität und Rahmenbedingungen

  • Wie weit pendelst du maximal?
  • Kannst du umziehen?
  • Hast du Betreuungspflichten?
  • Eigentum, das dich an den Wohnort bindet?

Ziele und Vorstellungen

  • Was wünschst du dir beruflich?
  • Bist du offen für Branchenwechsel?
  • Kannst du dir Weiterbildung vorstellen?
  • Selbstständigkeit?

Wie du vorbereitet ins Gespräch gehst

Profiling-Gespräche sind anstrengend. Nach 60 Minuten bist du müde. Wer vorbereitet ist, bleibt klar.

Vor dem Gespräch:

  • Lebenslauf aktuell und ausführlich
  • Liste der formalen Qualifikationen (Abschlüsse, Zertifikate, Schulungen)
  • Drei Stärken, drei Entwicklungsfelder in Stichworten
  • Gesundheitliche Einordnung (was geht, was nicht)
  • Familien- und Betreuungssituation schriftlich
  • Zwei bis drei beruflichen Zielen, mit unterschiedlichem Horizont (kurzfristig, mittelfristig)

Die Unterlagen-Checkliste im Artikel zu den Unterlagen fürs Vermittler-Gespräch ist dafür die Basis.

Während des Gesprächs

Antworte ehrlich, aber strukturiert. Nicht jeden Gedanken aussprechen. Nicht jede Erinnerung aus dem letzten Job.

Wenn Fragen zu persönlich werden, darfst du höflich grenzen:

“Das gehört in meinen privaten Bereich. Ich sage Ihnen gern, was für die Vermittlung relevant ist, den Rest würde ich nicht in die Akte geben.”

Der Vermittler wird meistens respektvoll reagieren. Private Details müssen nicht dokumentiert sein, wenn sie nicht für die Eingliederung relevant sind.

Was passiert mit den Ergebnissen?

Die Antworten fließen in ein Profil ein. Manche Agenturen nennen es “Kundenprofil”, andere “Bewerberprofil”. Dieses Profil steuert:

  • Welche Stellenangebote der Vermittler dir vorschlägt
  • Welche Maßnahmen (Training, Coaching, Weiterbildung) in Frage kommen
  • Ob du als “arbeitsmarktnah” oder als “Fördersäule” eingestuft wirst (die Terminologie variiert)
  • Welche Beratungsintensität du bekommst

Das Profil ist nicht fix. Es wird im Laufe der Zeit aktualisiert, besonders bei Veränderungen deiner Situation.

Du hast das Recht auf Einsicht in deine Akte nach DSGVO. Wenn du vermutest, dass Angaben dort nicht korrekt sind, kannst du das klären lassen.

Die Profiling-Kategorisierung

Innerhalb der Agentur gibt es Profile, die Vermittler zur internen Einstufung nutzen. Sie sind nicht immer transparent, aber du kannst oft indirekt feststellen, wie du eingestuft bist: an der Frequenz deiner Termine, an der Art der Vorschläge, an der Ausstattung deiner Eingliederungsvereinbarung.

Wenn du das Gefühl hast, die Einstufung passt nicht zu deinen Fähigkeiten oder deinem Engagement, sprich es an. Eine Neueinschätzung ist möglich, auch ohne Neues-Profiling-Gespräch.

Profiling und Bildungsgutschein

Für die Bewilligung eines Bildungsgutscheins spielt das Profil eine Rolle. Die Agentur prüft:

  • Bist du arbeitsmarktnah genug, dass eine Weiterbildung sich lohnt?
  • Hast du die Voraussetzungen für den Kurs?
  • Wirst du den Kurs voraussichtlich abschließen?

Wenn dein Profil sauber ist und realistische Perspektive zeigt, stärkt das deinen Antrag. Wenn dein Profil wenig aussagt oder lückenhaft ist, muss der Bildungsgutschein durch andere Argumente gestützt werden.

In meiner Beratungspraxis sehe ich, dass ein gut vorbereitetes Profiling die spätere Bildungsgutschein-Bewilligung deutlich erleichtert.

Was du NICHT machen solltest

  • Qualifikationen erfinden oder aufbauschen. Später fliegt das auf.
  • Einschränkungen verschweigen, die sich später zeigen würden.
  • Deine Ziele kleinreden (“Ich weiß nicht, eigentlich ist mir alles recht”). Das klingt diffus.
  • Monologe halten. Lass den Vermittler die Struktur führen.

Nach dem Gespräch

Du bekommst meistens eine schriftliche Zusammenfassung oder eine Eingliederungsvereinbarung, die auf dem Profil basiert. Lies sie gründlich. Wenn etwas nicht stimmt, meldest du das zurück.

Zusammen mit dem Profiling wird oft die Eingliederungsvereinbarung unterschrieben. Dort stehen deine Bewerbungspflichten, vereinbarte Maßnahmen und die Unterstützung der Agentur.

FAQ

Muss ich am Profiling-Gespräch teilnehmen?

Ja. Es ist Teil der Mitwirkungspflicht nach § 37 SGB III. Wiederholte Verweigerung kann zu Sanktionen führen.

Kann ich das Profil einsehen?

Du hast ein Auskunftsrecht nach DSGVO. Frag nach einem Auszug aus deiner Akte. Das kann schriftlich dauern, ist aber dein Recht.

Was, wenn ich die Einschätzung nicht teile?

Du kannst dich schriftlich äußern, zum Beispiel per Nachricht im Kundenportal. Eine aktualisierte Einschätzung kann vereinbart werden.

Wie oft wird das Profiling wiederholt?

Nicht formal. Aber das Profil wird im Laufe der Zeit angepasst, besonders bei neuen Qualifikationen, gesundheitlichen Veränderungen oder Zielwechsel.

Wer unterstützt mich bei der Vorbereitung?

Sozialverbände wie VdK und SoVD beraten kostenlos. Arbeitslosenberatungsstellen sind spezialisiert. Bei geringem Einkommen: Beratungshilfeschein beim Amtsgericht für Anwaltsberatung.

Zuletzt geprüft am 21.04.2026 von Dr. Jens Aichinger.

Der AfA-Gesprächsleitfaden als PDF Eine 2-seitige Checkliste für dein Vermittler-Gespräch: was du sagst, was du mitbringst, was du vermeidest. Kostenlos herunterladen

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